Viele junge Leute erhoffen sich in den USA eine zukunftsfähige und international ausgerichtete Ausbildung. Praxisnahe Studiengänge, interdisziplinäres Arbeiten, optimale Betreuung und die überwiegend sehr gute Ausstattung der Hochschulen, das sind einige der Faktoren, die für die USA sprechen. Das Studium in den USA ist relativ verschult. Die ersten zwei Jahre sind eher allgemeinbildend ausgerichtet und daher mehr als persönliche Orientierung geeignet. Wem es um ein Fachstudium geht, für den empfiehlt sich ein USA-Aufenthalt etwa ab dem dritten Studienjahr oder als Aufbaustudium Bei entsprechender Qualifikation ist dann auch ein Stipendium z.B. des DAAD oder der Fulbright-Kommission möglich. Realistische Chancen darauf bestehen ab dem 5./6. Semester.
Gute Chancen bieten auch die internationalen Studiengänge bzw. die Internationalen Kooperationen der deutschen Hochschulen, die im Rahmen der entsprechenden Studiengänge ein bis zwei Auslandssemester vorsehen, meist mit finanzieller Unterstützung. Einzelheiten erfahren Sie in den Internationalen Büros der jeweiligen deutschen Hochschule. Hat Ihre deutsche Hochschule kein passendes Austauschprogramm, können Sie sich als "Free mover" ein Studiensemester in den USA organisieren.
Viele junge Leute möchten jedoch ihr Studium gleich in den USA beginnen. Dabei ist zu bedenken, dass die ersten zwei Studienjahre in der Regel nicht als Fachstudium anerkannt werden, weil die fachliche Ausrichtung erst im dritten Jahr beginnt. Ein vertiefendes Fachstudium ist sogar erst im Rahmen eines Master-Studienganges möglich. Das amerikanische Studiensystem unterscheidet sich damit deutlich vom herkömmlichen deutschen System. Hinzu kommt die Tatsache, dass es für Studienanfänger so gut wie keine Stipendien gibt.
Der Bachelor's Degree (B.S. bzw. B.A.) ist in den USA der weitverbreitete, berufsqualifizierende Abschluss. Er besteht aus allgemeinbildenden Kursen (general studies), einem Hauptfach (major) und ergänzenden, frei wählbaren Kursen (Electives). Der Bachelor ist meist auf vier Jahre und insgesamt etwa 160 credits (semester hours) angelegt, wobei ein Kurs etwa 3 - 4 credits hat (bitte beachten: ein amerikanischer Credit entspricht zwei europäischen ECTS Credits). In den ersten zwei Jahren stehen die general studies im Vordergrund, z.B. Mathematics, History, English, Biology, Economics. Das Fachstudium macht insgesamt nur 50-60 Prozent aus und tritt erst im dritten Jahr in den Vordergrund.
Der deutsche/europäische und der amerikanische Bachelor sind durchaus vergleichbar. Sie unterscheiden sich in der Studiendauer, die in den USA durchweg 4 Jahre beträgt. Formell ist ein Bachelor von einer akkreditierten amerikanischen Hochschule auch in Deutschland anerkannt. Es ist aber in der Regel Sache eines potentiellen Arbeitgebers zu beurteilen, ob ein Bachelor für eine bestimmte Stelle ausreichend qualifiziert. Ebenso ist es Sache einer Hochschule, zu entscheiden, ob die Inhalte eines Bachelor - egal von woher - ausreichen als fachliche Voraussetzung für ein geplantes Masterstudium.
Der Bachelor wird an Universitäten und an Colleges verliehen. Weiterführende Abschlüsse (Master, Doktor) werden nur an Universitäten verliehen. Man spricht auch von undergraduate degree (=Bachelor) und graduate degree (=Master). Was die Qualität betrifft, sind Bachelor degrees von Colleges im Prinzip gleichwertig mit denen von Universitäten. Der Bachelor ist die Voraussetzung für ein weiterführendes Studium zum Master's degree. Der Übergang vom Undergraduate- zum Graduate-Studium (Bachelor- zum Master-Studium) erfolgt jedoch nicht automatisch, sondern aufgrund einer Neubewerbung an einer Graduate School (Universität). Das anschließende Graduate-Studium erfordert etwa 60 credit hours und dauert zwei Jahre.
Associate Degrees werden an Community Colleges verliehen. Das sind über 1.000 Zweijahres-Colleges, die in erster Linie rein praxisbezogene Ausbildungsgänge anbieten und damit in etwa die Zielgruppen wie unsere berufsbildenden Schulen und Berufsfachschulen haben. Zahlreiche Community Colleges haben aber außerdem akademisch orientierte Transferprogramme, die nach zwei Jahren den reibungslosen Übergang an weiterführende Colleges/Universitäten ermöglichen.
Community Colleges sind kostengünstig. Das hängt mit dem insgesamt kleineren Angebot zusammen. Viele Studierende sind außerdem Pendler. Der Associate Degree hat jedoch für ein Weiterstudium in Deutschland kaum Bedeutung, für den deutschen Arbeitsmarkt nur sehr bedingt. Nicht der Abschluss, sondern die interkulturelle Erfahrung und der damit verbundene persönliche Gewinn steht hier an erster Stelle.
Voraussetzungen
12 bis 18 Monate vorher sollte man mit der konkreten Planung beginnen. Studienanfänger werden meist nur zum Herbstsemester ab September aufgenommen, eher selten zum Frühjahrssemester ab Januar. Jede Hochschule hat ihre eigenen Bewerbungsfristen, die bis zu 9 Monaten vor Studienbeginn liegen.
Man bewirbt sich direkt bei den Hochschulen und diese entscheiden nach ihren eigenen Kriterien, wen sie aufnehmen und wen nicht. Die Anforderungen können je nach Hochschule sehr unterschiedlich sein. Besonders hart ist der Wettbewerb um die Studienplätze an den Top Colleges, die nur 10-15 Prozent aller Bewerber zulassen. Hier kann das Testergebnis (SAT) entscheidend sein. Einen Numerus Clausus mittels Zeugnisnoten und Wartezeiten gibt es in den USA nicht.
Bei vielen Colleges und Universitäten bestehen gute Aussichten auf einen zumindest teilweisen Erlass des ersten Studienjahres aufgrund des 13-jährigen Abiturs. Der Grund ist, dass für einen Teil der general education courses in den ersten zwei Studienjahren entsprechende Kurse der deutschen gymnasialen Oberstufe anerkannt werden. Die Beurteilung durch die Admissions Offices erfolgt meist nach den AACRAO-Richtlinien. Im Einzelfall muss man sich aber erkundigen, auch danach, ob der SAT gefordert wird. Anders ist es bei der fachgebundenen Hochschulreife, die ähnlich wie der amerikanische Highschool-Abschluss eine ganz normale Bewerbung mit SAT oder ACT erfordert. Top Colleges haben ihre eigenen strengen Regeln und verlangen grundsätzlich den SAT. Haben Sie weniger als 12 Schuljahre oder keinen Schulabschluss, können Sie versuchen, durch Ablegen des GED das Äquivalent für den Highschoolabschluss zu bekommen.
Eine höhere Einstufung und transfer credit ist möglich durch Advanced Placement (AP) Tests (an US-Highschools, internationalen Schulen) oder durch credit-by-examination, das viele Colleges anbieten. Dadurch kann man u.U. Kurse überspringen und spart so Zeit und Geld. AP Credit Policy Info, eine Datenbank von College Board, gibt Auskunft über die AP-Richtlinien aller Colleges. Beispiele:
Advanced Placement (AP) Tests in in bestimmten Fächern
College Level Examination Program (CLEP)
Excelsior (Regents) College Examination, akzeptiert an über 900 Colleges, mehr als 40 Fächer.
Credit by Examination (PearsonVue/ Excelsior College)
DANTES Subject Standardized Tests (DSST)
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Die College-Suche
Selbst wenn man die ca. 1.500 Community Colleges extra zählt, hat man es immer noch mit über 2.000 Colleges und Universitäten zu tun. Orientieren Sie sich an objektiven Kriterien. Das sind in erster Linie das Studienangebot, die Kosten, Selektivität. In zweiter Linie sind es Größe und Lage, Freizeit- und Sportangebot, Umgebung und Klima. Einige der folgenden Suchhilfen (Datenbanken) erlauben eine systematische Suche nach den o.g. Kriterien und eine allmähliche Eingrenzung der Hochschulen. Die Suche ist wegen der schier unübersehbaren Menge und der Fachbegriffe nicht einfach. Die Studienberatung USA, die auch sehr gute Bücher zu diesem Thema hat, ist bei der Suche gern behilflich, soweit dies möglich ist.
Weitere Hilfen bei der College-Suche
College Portrait of Undergraduate Education, mit Blick auf das Preis-Leistungsverhältnis an öffentlichen Hochschulen.
UCan ...get the facts for a smart college choice, mit Blick auf das Preis-Leistungsverhältnis an privaten Hochschulen.
Universitäten und Colleges mit Honors Programs, Programme mit besonderen Ansprüchen.
StudentsReview.com: Reviews of Colleges and Universities. Eine sehr gute Website!
Unigo.com: Find, Review, and Explore America's Colleges
Best 371 College Rankings, 2010, die Meinung der Studierenden
Colleges that Change Lives. 40 Colleges mit bis zu 3.000 Studenten, die es mit den Elite-Colleges aufnehmen können...
Kiplinger's 100 Best Values in Public Colleges, 2009-10 )
America's Best Colleges 2011 (auch erhältlich als Online- oder Printausgabe)
mit Best Business Programs und Best Engineering Programs
Medizin, Psychologie, Jura, Meeresbiologie
Medizin und Jura gehören zu den wenigen Fächern, die als Fachstudium mit dem Ziel des Vollmediziners bzw. Volljuristen nur auf der Graduate-Ebene existieren. Auf der Undergraduate-Ebene spricht man von pre-medicine bzw. pre-law.
Pre-Medicine (Princeton Review)
Pre-Dentistry (Princeton Review)
Considering a Career in Medicine (AAMC - American Association of Medical Colleges)
Pre-Medicine (College Board)
Illicit Guide to Medical School Admission
Preparing for Medical School (American Medical Association)
Undergraduate Psychology (American Psychological Association)
Pre-Law (American Bar Association)
Legal Studies Directory (Undergraduate Programs)
Marine Biology Degree Programs in the U.S. (MarineBio.org)
Bewerbungsablauf (Applying to College)
Die Bewerbungsunterlagen mit Vordrucken sind in der Regel aus den Homepages der Colleges (unter Admissions) herunterzuladen. Viele Colleges akzeptieren die Common application, ein standardisiertes Bewerbungsformular. Zur Bewerbung gehören u.a. die Zeugnisse der gesamten Oberstufe in Übersetzung, ein Essay, 2-3 Empfehlungsschreiben, TOEFL, ggf. SAT, Finanzierungsnachweis. Entscheidend bei der Beurteilung ist immer der Gesamteindruck, der sich aus mehreren Aspekten zusammensetzt. Hierbei kommt dem Essay eine besondere Bedeutung zu, denn hier haben Sie die Chance, Ihre Interessen, Talente, Wünsche und Hoffnungen zu erläutern und damit der Bewerbung ein individuelles, persönliches Profil zu verleihen. Das Thema des Essays wird vom College meist vorgegeben. Weiteres zum Bewerbungsablauf siehe hier.
Die Tests
TOEFL, mit dem aktuellen Merkblatt TOEFL - Alles auf einen Blick!
SAT, 2010-2011
Der SAT ist ein College-Eignungstest für Highschool-Absolventen. Er besteht aus dem SAT I (Reasoning Test), der allgemeine sprachliche und mathematische Fähigkeiten prüft und mehreren fachbezogenen Subject Tests. Deutschen Studienanfängern mit allgemeiner Hochschulreife wird der SAT öfter erlassen. Im Einzelfall entscheidet die amerikanische Hochschule. Frage: "What is a good SAT score? On a total score of 2400, a score of 1650-1800 is adequate for many colleges, a score of 1800-2100 is good, and a score above 2100 should ensure that you have no problems for admission."
ACT, American College Testing
Der ACT ist ebenso wie der SAT ein College-Eignungstest, der generell an Hochschulen in den USA akzeptiert wird. In der Regel wird es den Bewerbern sogar freigestellt, ob sie den SAT oder den ACT ablegen wollen. Der ACT misst Fähigkeiten in English, Mathematics, Reading, and Science Reasoning. Er ist mehr fachlich ausgerichtet (naturwissenschaftlich und mathematisch) und hat eine eigene science section. Die writing section ist beim ACT optional. Im Vergleich dazu ist der SAT mehr "reasoning based" also allgemein ausgerichtet, während die fachspezifischen Teile in den SAT subject tests abgedeckt werden.
Taking the ACT outside the United States, u.a. International School Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Dresden, Heidelberg, München, Stuttgart, Wiesbaden
ACT-Testtermine 2010-11: 23.10. + 11.12. 2010, 12.2. + 09.4. + 11.6.2011.
Die Anmeldung erfolgt online. Der Test dauert 3 Stunden.
Gebühr 33 Dollar, mit Writing-Test 48 Dollar.
Ein relativ neues Angebot findet man unter www.stipendien-usa.de. Dahinter steht die Organisation iST, Internationale Sprach- und Studienreisen, die verspricht, angehenden Studierenden ein Studium an einer amerikanischen Hochschule mit (Teil)-Stipendium zu vermitteln. Man muss kein Einserkandidat sein, sollte auch nicht von Harvard träumen, sondern mit beiden Füßen auf dem Boden stehen. Eine Vermittlungsgebühr ist fällig bei Erfolg.
Mehr Möglichkeiten für Stipendien bieten sich mit steigender Semesterzahl, siehe im Kapitel Förderprogramme. Nicht wenige amerikanische Hochschulen fördern jedoch auch jüngere internationale Studierende. Es sind i.d.R. Begabungsstipendien, für die erstklassige Zeugnisse und ein ausgezeichnetes Persönlichkeitsprofil gefragt sind. Gefördert werden vielversprechende Talente in allen Bereichen, die sich deutlich vom Durchschnitt abheben, z.B. im musischen oder naturwissenschaftlichen Bereich. Bekannt und begehrt sind z.B. die Sport-Stipendien.
Studieren mit einem Fußballstipendium an der Marshall University, West Virginia, Erfahrungsbericht
Studienberatung USA in der FH Hannover, Tel. (0511) 9296-2154, e-mail usa@fh-hannover.de.
Zuletzt geändert am 29. 05. 2010.