Frankfurter Rundschau, Wissen und Bildung, Mittwoch, 29.01.2003, S. WB6, Nr. 24

Einmal drüben studieren

Wie man ein Gastsemester in den USA besser vorbereitet.

Von Ines Stickler

Das Auslandssemester war für Frank Setzer so etwas wie eine Pflichtübung. Für den 27-jährigen Diplom-Betriebswirt gehörte es zum festen Bestandteil seines Studiums an der Hochschule für Bankwirtschaft in Frankfurt. Ein knappes halbes Jahr verbrachte er in Kalifornien, studierte an der University of San Francisco (USF). Die sollte es sein - wegen des exzellenten Rufs. Organisieren musste er alles selbst, "von der Bewerbung mit Übersetzung der Unterlagen bis zum Visum", sagt Frank Setzer. Die größten Probleme bereitete die Wohnungssuche, weil die meisten Vermieter die Zimmer-Kandidaten persönlich sehen wollten.

Das amerikanische Hochschulsystem ist kompliziert. Ursula Truman aber weiß Bescheid. Sie ist der Kopf der Studienberatung für die USA in der Fachhochschule Hannover. Sie hat selbst sieben Jahre in Übersee gelebt, ein Aufbaustudium an der University of Wisconsin in Madison absolviert und drei Jahre an der Universitätsbibliothek in Chicago ihr Geld verdient.

"Ich fand ein Konzept, das sich bis heute als sehr erfolgreich erwiesen hat", sagt Ursula Truman. Dieses basiert hauptsächlich auf dem Internet, außerdem auf intensiver persönlicher Beratung. Die USA-Website führt durch Programme und Organisationen, gibt Musterbeispiele für Lebensläufe und Bewerbungsschreiben, weist auf Übersetzungshilfen hin, hat Tipps für Zuschüsse und Stipendien parat. Seit drei Jahren ist die Studienberatung eine feste Einrichtung des Landes Niedersachsen, die anders als das Angebot in den Amerikahäusern gebührenfrei ist.

Nach wie vor träumen viele Jugendliche den "American Dream". Im Jahr 2001 waren etwa 10 000 junge Frauen und Männer aus Deutschland in den USA eingeschrieben. Los Angeles und New York sind mit jeweils 24 000 ausländischen Studierenden die beliebtesten Studienorte. Bei den Universitäten stehen die New York University, die University of Southern California und die Columbia University New York ganz oben auf der Wunschliste.

Ein billiges Vergnügen ist der USA-Aufenthalt keinesfalls. Die Studiengebühren betragen zwischen 10 000 und 30 000 Dollar pro Jahr. Für ein Graduate-Studienjahr an großen staatlichen Forschungsuniversitäten wie der University of California, Illinois und Wisconsin muss man mit etwa 17 000 Dollar rechnen; bei privaten Spitzenuniversitäten wie Harvard und Stanford liegen die Gebühren weit höher. Und das Leben muss auch noch finanziert werden, Lehrbücher verschlingen ebenso viel Geld. "Unter 10 000 Dollar pro Studienjahr, das sind neun Monate, kommt man kaum davon", sagt Ursula Truman. Aber es gibt Stipendien. Die meisten vergeben der Deutsche Akademische Austauschdienst und die Fulbright-Kommission. Zudem gibt es Kooperationsvereinbarungen zwischen deutschen und amerikanischen Hochschulen.

Die meisten amerikanischen Hochschulen nehmen Bewerbungen zwischen Februar und Mai entgegen, also vier bis sieben Monate vor Beginn des Studienjahrs Anfang September. Für die Bewerbung müssen unter anderem zwei Gutachten von Professoren, ein "TOEFL-Sprachtest" und eine überzeugende Begründung für das Studienvorhaben in Form eines Essays abgeliefert werden. "Nicht nur äußerlich, auch inhaltlich muss alles tipptopp sein", sagt Ursula Truman. Nur jeder vierte Bewerber ergattert ein Stipendium.

Studienberatung USA in der Fachhochschule Hannover, Postfach 920251, 30441 Hannover, Tel. (05 11) 92 96 21 54, www.fh-hannover.de/usa/