Wer zwischen Abitur und Studienbeginn eine Auszeit nehmen will, um sein Englisch zu verbessern und abseits von touristischen Pfaden den American way of life kennenzulernen, für den liegt der Gedanke an ein Praktikum nicht fern. Leider jedoch sind die US-Einreisebestimmungen sehr streng. Sie erlauben ein Praktikum erst nach Beginn eines Studium oder einer Ausbildung. Das gilt selbst dann, wenn man schon eine Zusage für ein Praktikum hat und dieses auch noch unbezahlt ist. Erst im Laufe des Studiums gibt es grünes Licht von den US-Einreisebehörden. Ähnliches gilt auch bei Ferienjobs. Die US-Behörden erlauben Ferienjobs nur für immatrikulierte Studierende und im Rahmen von sogenannten Work & Travel Programmen.
Es gibt aber durchaus Alternativen für Abiturienten, wie die folgenden Informationen zeigen. Neben Internationalen Freiwilligendiensten gibt es einige interessante, USA-typische Angebote mit hohem Erlebnis- und Erfahrungswert. Besondere Beachtung verdienen Camp Counselor Aufenthalte ebenso wie das EPCOT Center Job-Programm im Walt Disney World Freizeitpark in Orlando, Florida.
Freiwilligendienste, Voluntary Service Jobs
Internationale Freiwilligendienste werden in ökologischen, sozialen oder kulturellen Bereichen geleistet. Sie bieten die Gelegenheit, in bestimmten Einrichtungen oder in Projekten zu arbeiten, dabei Land und Leute kennenzulernen und erste praktische Erfahrungen zu sammeln. Möglich sind z.B. Einsätze für Frieden und Menschenrechte, für soziale Gerechtigkeit und für den Schutz der Natur, oder im kulturellen Bereich. Die Dauer ist unterschiedlich, von 3-wöchigen Workcamps bis hin zu ganzjährigen Einsätzen. Meist wohnen die Freiwilligen zusammen in Gruppen und gestalten ihr Leben bewusst gemeinschaftlich, z.B. mit Kochabenden, Diskussionsrunden und gemeinsamen Unternehmungen.
Freiwilligendienste in den USA müssen bestimmte Kriterien erfüllen:
Tätigkeiten, die diese Kriterien erfüllen, gelten nach den US-Einreisebestimmungen nicht als Praktikum und stehen daher einem größeren Teilnehmerkreis einschließlich Abiturienten offen. Hier stehen die Motivation für soziales Engagement und die interkulturelle Erfahrung im Vordergrund. Gleichwohl haben sie für die Teilnehmer manchmal den Wert eines Praktikums und werden in Einzelfällen als Vor-/Praktikum für deutsche Studiengänge anerkannt. Arrangiert werden die Einsätze von Träger-Organisationen, die den Kontakt in die USA herstellen, die Bewerber offiziell entsenden und während der Zeit des Einsatzes betreuen. Manche dieser Träger erhalten staatliche oder kirchliche Zuschüsse, was die Kosten für die Teilnehmer reduziert. Andere wiederum müssen die Kosten stärker auf die Teilnehmer umlegen. Einen guten Überblick über Freiwilligendienste, mit Angaben zu den Voraussetzungen und Leistungen sowie zur Vorbereitung und Begleitung findet man beim Arbeitskreis Lernen und Helfen in Übersee e.V. (AKLHÜ).
Workcamps.
Dies sind kürzere Freiwilligeneinsätze von 2-4 Wochen, bei denen sich meist 10-12 internationale Freiwillige für ein gemeinnütziges Projekt im sozialen, ökologischen oder baulichen Bereich engagieren. Infos unter Workcamps, mit Liste aller Vermittler bzw. Veranstalter.
Anderer Dienst im Ausland (ADiA).
So heißt der Zivildienst, der als Ersatzdienst im Ausland abgeleistet wird. Dieser dauert zwar etwas länger, beschert aber auch ganz neue Erfahrungen in einem fremden Kulturkreis. Informationen zu den Anforderungen nach § 14b Zivildienstgesetz und eine Liste der in Deutschland ansässigen anerkannten Entsende-Organisationen (Träger) ist enthalten im Informationsblatt Andere Dienste im Ausland", hrsg. vom Bundesamt für den Zivildienst in Köln. Siehe auch Zivildienst im Ausland.
Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) - Ökologisches Jahr (FÖJ) im Ausland.
Auch das FSJ bzw. FÖJ im Ausland sind anerkannt als Ersatzdienst. Informationen beim Bundesarbeitskreis FSJ bzw. FÖJ, unter www.pro-fsj.de bzw. www.föj.de.
Diakonisches Jahr im Ausland (DJiA).
Dies ist eine Form des FSJ bzw. FÖJ, die von der Evangelischen Kirche getragen wird. Sie vermittelt Stellen in den USA in Verb. mit Lutheran Volunteer Corps in Washington. Das Mindestalter ist 21. Informationen sind erhältlich bei: Ev. Freiwilligendienste für Junge Menschen, Hannover, Tel. (0511) 4500083-40, www.dija.de.
Freiwillige Helfer an Auslandsschulen.
Junge Leute von 18-26 Jahren finden an deutschsprachigen Schulen im Ausland vielfältige Einsatzmöglichkeiten, einschl. Hausaufgabenbetreuung, Schultheater, Computerprojekte, usw. Die Freiwilligen erhalten Einblick in die Arbeit der Auslandsschulen und erweitern ihre Kenntnisse über Sprache und Kultur des Gastlandes. Die Aufenthalte dauern 6-12 Monate. Organisiert und gefördert werden sie von Kulturweit, dem Freiwilligendienst des Auswärtigen Amtes.
Einige Anbieter und Träger von Freiwilligendiensten:
Weitere Informationen zu Freiwilligendiensten:
Visabestimmungen für Voluntary Service Programs:
Nach den Einreisebestimmungen sind Freiwilligendienste so definiert:
"A Voluntary Service Program is an organized project conducted by a recognized religious or nonprofit charitable organization to assist the poor or the needy or to further a religious or charitable cause. The program may not, however, involve the selling of articles and/or the solicitation and acceptance of donations." (US-Botschaft / 9 FAM, 41.31, N9.1-5) Nach dieser offiziellen Definition müssen Freiwilligendienste immer von anerkannten Trägern durchgeführt werden. Sie müssen einem gemeinnützigen und mildtätigen oder religiösen Zweck dienen und einer Gemeinde oder Einrichtung in den USA unmittelbar zugute kommen. Verkauf von Artikeln oder Einwerben von Spenden ist nicht gestattet. Außerdem verbieten die US-Einreisebehörden den direkten Kontakt mit Kranken, Behinderten und anderen Hilfsbedürftigen weitgehend.
Bei Einsätzen von mehr als drei Monaten Dauer ist ein B-1 Visum erforderlich. Bei kürzeren Einsätzen können Deutsche ohne Visum einreisen, jedoch empfehlen die Behörden auch hier wegen der komplizierten Rechtslage ein Visum. Zur Unterstützung ist bei der Visumbeantragung bzw. bei der Einreise ein aussagekräftiger "Letter of support", ausgestellt von dem amerikanischen Träger-Institution, absolut notwendig.
Fulbright Diversity Initiative - Summer School für Abiturienten mit Migrationshintergrund
Stipendienprogramm der Fulbright-Kommission in Berlin und einzigartig für Abiturienten und jüngere Studierende zur Erweiterung ihrer sprachlichen, fachlichen und interkulturellen Kompetenzen. Es besteht aus einer 5-wöchigen Summer School im August/September auf dem Campus einer amerikanischen Universität. Durch Exkursionen, Sprachkurse und Wohnen auf dem Campus erhalten die Teilnehmer Einblick in die amerikanische Kultur und Lebensart und leisten gemeinsame Arbeit in Community Service Projekten. Voraussetzung ist ein Migrationshintergrund, deutsches Abitur und Lebensschwerpunkt in Deutschland. Bewerbung jährlich im Februar.
Feriencamps sind eine typisch amerikanische Einrichtung für Kinder und Jugendliche, deren Familien sich sonst keinen Urlaub leisten können. Betreut werden die Kinder von Camp Counselors, die aus der ganzen Welt anreisen, Mindestalter 18, sportlich, belastbar, mit offenem Wesen, guten Englischkenntnissen und Freude am Umgang mit Kindern. Eine echte Chance, internationale Erfahrung, Sprachkenntnisse und gleichzeitig soziale Kompetenz zu erwerben - und das mit geringem finanziellen Aufwand. Je nach Wunsch und Qualifikation ist auch ein Einsatz in der Camp-Verwaltung möglich. Die Camps sind von Mai bis August geöffnet, in diesem Zeitraum werden Einsätze von 9-12 Wochen vermittelt. Die Bewerbung muss bis März erfolgen.
Siehe dazu auch die Erfahrungsberichte von Imke Abraham und Antonia Heil. Ein Verzeichnis von akkreditierten Camps findet man bei der American Camp Association. Die Bewerbung und Platzierung erfolgt aber immer über ein autorisiertes Programm, angeboten z.B. von:
Homestay-Programme, mit Familienanschluss
Aufenthalte in Gastfamilien sind meistens mit Sprachreisen verbunden. Eine Übersicht über reine Homestay- und Farmstay-Angebote findet man im Merkblatt des Amerika-Hauses München (Stand 2007). Anbieter sind z.B.:
Als Au Pair in einer amerikanischen Familie lernt man den American Way of Life sozusagen an der Basis kennen. Für junge Leute von 19 bis 26 Jahren, mit Erfahrungen in der Kinderbetreuung, mit Führerschein. Au Pair Aufenthalte sind normalerweise auf ein Jahr festgelegt. Wöchentlich sind maximal 45 Stunden Kinderbetreuung und leichte Arbeiten im Haushalt zu leisten, für die man neben freier Unterkunft und Verpflegung 196 Dollar Taschengeld erhält. Für 1-2 Fortbildungskurse an einem Community College ist die Familie verpflichtet, 500 $ zu zahlen. Für die Betreuung von Kleinkindern unter 2 Jahren ist eine besondere Qualifikation nachzuweisen. Au Pairs dürfen niemals privat vermittelt werden, sondern nur von autorisierten amerikanischen Organisationen, in Zusammenarbeit mit deutschen Partner-Organisationen.
EduCare ist eine Kombination von "Education" und "Au Pair". Das bedeutet, dass für Fortbildungskurse 1.000 $ investiert werden. Dafür reduziert sich die wöchentliche Arbeitszeit auf 30 Stunden, das Taschengeld auf 145 Dollar.
Anbieter sind z.B.:
Weitere Informationen:
Au Pair and EduCare, die gesetzlichen Rahmenbedingungen vom U.S. Department of State.
Au Pair Aufenthalte in den USA, Merkblatt des Amerikazentrums Hamburg
Au Pair Aufenthalte in den USA, Merkblatt vom Amerika-Haus München.
Au-Pair-Agenturen.de. Für die Suche nach Agenturen in Ihrer Nähe, nach PLZ.
International Au Pair Association
Au Pair Society e.V., Bundesverband der Au Pair Vermittler, Gastfamilien und Au Pairs, Euskirchen.
Erfahrungsberichte und vieles mehr.
Up With People - Kultur- und Bildungsprogramm.
Globales Lernen steht im Vordergrund bei diesen 6-monatigen Tourneen, in denen die Teilnehmer als Gruppe von 80 bis 100 jungen Erwachsenen (Alter 18 bis 29 Jahren) um die Welt reisen. Neben internen Workshops (Thema z.B. Communications oder Conflict Management) und sozialem Engagement mit lokalen Nonprofit-Organiationen, steht die Produktion einer musikalischen Show auf dem Programm. Beginn ist jedes Jahr im Januar und Juli. Programmgebühren liegen bei 14.000 Dollar für ein Semester.