9 Wochen in einem amerikanischen Feriencamp

von Imke Abraham

Wie alles anfing

Als ich im 12. Jahrgang auf der Sophienschule in Hannover war und meine letzen Sommerferien auf mich zukamen, überlegte ich mir, was ich denn in den 6 Wochen aufregendes machen könnte. Ich hatte Lust ins Ausland zu gehen, wollte aber nicht zu viel Geld investieren und deshalb schaute ich mich einfach mal im Internet um. Schließlich entdeckte ich die Seite von "Camp America" und erfuhr von der Möglichkeit, im Sommer als Camp Counsellor, also Betreuerin in einem Sommerferiencamp, zu arbeiten.

 
Internet www.campamerica.de oder www.aifs.de

 

Die Bewerbungsprozedur

Nach einigem Überlegen, was da wohl so auf mich zu käme und ob es überhaupt funktionieren könne, habe ich mich im März dann beworben. Zunächst musste ich noch von meiner Schulleiterin die Erlaubnis einholen insgesamt drei Wochen vom Unterricht befreit zu werden. Denn man kann nicht kürzer als neun Wochen für Camp America arbeiten, .
Ich füllte also die Bewerbungsunterlagen aus und erhielt einen Termin bei einem Interviewer. In dem Interview wird geprüft, ob man in der Lage ist sich auf englisch zu verständigen und ob man motiviert genug ist, in einem Camp zu arbeiten. (Ich kann nicht sagen, dass ich die Beste in englisch war. Also, immer trauen!)
Nachdem ich das Interview wohl bestanden hatte, bekam ich viele Papiere zugeschickt, die ich ausfüllen musste, alles auf englisch. Es wird ein Führungszeugnis und eine ärztliche Bescheinigung verlangt, dann noch einige Referenzen, die z.B. von Lehrern, Musiklehrern oder einem Verein sein können, bei dem man sich engagiert. Gerne werden aber auch Pfadfinder genommen, da es viele Pfadfindercamps gibt.
Auch wenn es verständlich ist, dass sich die Organisation in alle Richtungen absichern muss, ist der lange Bewerbungsweg mit allen Umständlichkeiten und Kosten (Führungszeugnis, Arztbescheinigung und die Beantragung des Visums kosten extra) schon anstrengend und zeitraubend. Aber es hat sich gelohnt! Ich bekam ein "guaranteed placement". Manche bekommen erst kurz vor Beginn eine Zusage und manche bekommen schon früh die Bestätigung, dass auf jeden Fall ein Camp für einen gefunden wird (eben dieses "guaranteed placement"). Auch wenn ich darüber sehr glücklich war, wusste ich immer noch nicht, wann ich fahre und wohin ich komme. Das erfuhr ich erst ca. vier Wochen, bevor ich fliegen sollte.
In der Zwischenzeit hatte ich aber die Gelegenheit einen Informationsnachmittag in Hamburg zu besuchen, bei dem ich dann auch andere Leute kennen lernte, die noch nicht wussten wohin es ging.

Endlich Gewissheit

Bevor ich den Termin und die Informationen über "mein" Camp bekam, hatte ich schon ungefähr drei andere Daten bekommen, die sich immer wieder geändert hatten. Dieses Hin und Her war etwas nervig, aber jetzt wusste ich: Ich komme ins Bear Creek Camp nach Pennsylvania.
Natürlich habe ich mich gleich auf der Internetseite (www.bearcreekcamp.org) umgesehen und einen Brief an den Campleiter geschrieben, in dem ich mich vorgestellt habe.

9 Wochen im Camp Bear Creek

Campschild am Eingang Nach einer anstrengenden Reise und einer Übernachtung in New York ging es mit dem Bus nach Pennsylvania. Bis nach Scranton, einer Stadt im Osten von Pennsylvania, waren es zum Glück nur drei Stunden und ich war auch gleich in der Begleitung eines Australiers, eines Südafrikaners und einer Polin, die in dasselbe Camp sollten. Kaum angekommen, ging es auch schon los. Die anderen Counsellors, alles Amerikaner, waren schon da und wir fingen gleich mit Namensspielen an.
So nach und nach erfuhr ich, was mich so in den nächsten Wochen erwarten würde. Die ersten zwei Wochen waren fürs "Staff training" reserviert, in denen wir vieles über das Camp lernten und einen Erste Hilfe Kurs machten. Wegen der Zeitumstellung waren die ersten Tage ziemlich anstrengend, denn es gab schließlich immer ein volles Programm. Dennoch war ich ganz froh, dass es dieses Training am Anfang gab. Denn so hatte ich nicht gleich die Verantwortung über Kinder, sondern war vorbereitet, als es soweit war.

Als die Kinder dann endlich kamen, gab es zwar immer wieder Dinge, die ich nicht wusste, aber ich musste lernen damit umzugehen. Die Kinder kamen immer für eine Woche und die zwei halben Tage von Samstag auf Sonntag hatten wir frei. Da ich in ein christliches Camp gekommen war (die meisten Camps sind christlich, man kann aber angeben, ob man in ein christliches, jüdisches oder andere Camps möchte) musste ich mich auch an die täglichen kleinen Andachten am Morgen und am Abend gewöhnen, die ich selbst mit meinem "Co-counsellor" (immer ein männlicher und eine weibliche Betreuerin arbeiten zusammen) halten musste. Aber nach einer Weile machte mir das nichts mehr aus.
Genauso gewöhnungsbedürftig war die wöchentliche Übernachtung im Wald, da mein Camp außerdem den Schwerpunkt Natur hatte. Hilfreich war es da oft, dass es für die meisten Kinder genauso neu war, ohne Isomatte, Toilette oder Abendbrot am Tisch nachts in den Schlafsack zu kriechen.
Teil der Camp-Idee und wichtig für die Atmosphäre in dem Camp ist es, dass sich alle Mitarbeiter gut verstehen und als Gruppe arbeiten. Daher mussten alle jede Woche an einer "Group building activity" teilnehmen, bei denen manchmal schwierige Aufgaben gelöst werden mussten und manchmal lustige Spiele gespielt wurden.

Alles in allem

Ich mit "meinen" Kindern  am Lagerfeuer Auch wenn ich die 9 Wochen als anstrengend empfand und am Ende gern wieder nach Hause zurückgeflogen bin, kann ich sagen es hat sich gelohnt. Es gab einige Dinge, die mir nicht besonders gefallen haben. Manchmal hätte ich mir mehr Hilfe gewünscht, z.B. bei Sprachproblemen. Als ich mit der ältesten Gruppe von Campern (bis 17 Jahren) drei Nächte im Wald verbringen sollte, habe ich rebelliert. Es wurde zuerst nicht soviel Verständnis dafür aufgebracht, aber dann habe ich doch noch eine jüngere Gruppe bekommen, mit der ich nur eine Nacht im Wald verbringen musste. Aber das war schon ein ganz schöner Aufstand.
Trotz dieser Kritikpunkte kann ich sagen, dass ich einen tollen Sommer hatte, den ich nicht wieder vergessen werde. Vor allem die Kinder, mit denen man viel Spaß hatte, die sehr anhänglich waren (manchmal auch nervig) und einige Betreuer haben die 9 Wochen zu einer unvergesslichen Zeit für mich werden lassen. Ich musste mich zwar ganz schön behaupten, weil so viel auf mich einprasselte, aber ich habe es "überlebt" und bin sehr viel reicher an Erfahrungen geworden. Außerdem habe ich jetzt Freundschaften in Amerika und auf der ganzen Welt, die hoffentlich noch lange halten. Eine 13jährige "Camperin" schreibt mir regelmäßig e-Mails und hält mich auf dem Laufenden!
Jetzt, wo das Camp für dieses Jahr wieder angefangen hat, vermisse ich es sogar und hoffe, irgendwann wieder die Gelegenheit zu haben, Bear Creek Camp wenigstens noch mal zu besuchen.

Wer noch Fragen hat (der Bericht hätte auch 20 Seiten lang sein können, so viel gibt es zu erzählen), der kann mir gerne eine E-Mail schicken oder mich anrufen.

Meine E-Mail-Adresse: mail@imke-abraham.de, Imke Abraham.