Jörn Gutowski 2002

Jörn Gutowski, Emerson College 1999-2002


Jörn Gutowski hat vom September 1999 bis Mai 2002 am Emerson College in Boston studiert. Nach einer einjährigen Tätigkeit in der PR Agentur Cone in Boston, war er Director of Public Relations bei der gemeinnützigen Austauschorganisation AYUSA International e.V. Dann hat es ihn noch einmal gejuckt und im Jahre 2006 tourte er mit dem internationalen Kultur- und Bildungsprogramm Up with People als "Road Staff" sechs Monate lang in den USA, Japan und Europa.

Zwischen 1999 und 2002 habe ich in dem "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" studiert, genauer genommen in Boston. Bis Harvard, das auf der anderen Seite des Charles Rivers in Cambridge liegt, habe ich es zwar nicht geschafft, aber dafür war ich mit meiner Collegewahl trotzdem glücklich. Das Emerson College ist ein relativ kleines Privatcollege (3000 Studenten) im Herzen der Stadt Boston, das als die "college town" der USA gilt. Einige munkeln, dass sich die Einwohnerzahl verdreifacht, wenn die Studenten im Herbst einfallen. Ich halte das zwar für ein wenig übertrieben, aber Universitäten und Colleges scheint es in Boston wirklich an jeder zweiten Ecke zu geben.

Ich hatte einige Bedingungen an mein Studium bzw. meine Uni gestellt. Mein Plan war, an einer überschaubaren, kleineren Uni in einer großen attraktiven Stadt zu studieren. Außerdem musste ich eine Uni finden, die finanzielle Hilfe in irgendeiner Form anbietet. Meine drei Wunschstädte waren New York, San Francisco und Boston. Nach einer ausgeprägten Internetsuche und Gesprächen mit amerikanischen Freunden während meines Auslandsjahres mit Up With People, bin ich - mehr aus Zufall - auf das Emerson College gestoßen. Da es die einzige Uni war, die ich gefunden habe, die meinen drei Voraussetzungen entsprach und bei der ich noch nicht die Bewerbungsfrist verpasst hatte, habe ich mich dort beworben und bin zum Glück mit einem Stipendium angenommen worden. Das Stipendium bedeutete nun noch lange nicht, dass das Studieren billig geworden ist. Ohne die finanzielle Unterstützung meiner Eltern und Semesterferienjobs hätte ich es mir nicht ermöglichen können.

Ich war am Emerson College in einem Bachelor-Programm eingeschrieben, welches normalerweise vier Jahre lang dauert. Da ich allerdings eine ganze Menge "credits" (in etwa wie "Scheine") bekommen habe, konnte ich das Studium in drei Jahren absolvieren. Mein Hauptfach war: Marketing Communications: Marketing & Advertising. Zusätzlich hatte ich noch ein Nebenfach in Broadcast Journalism (Rundfunk Journalismus). Die mögliche Spezifizierung und das praxisnahe Lernen sind meiner Meinung nach zwei der Pluspunkte am Studium in den USA. Dadurch dass man immens hohe Studiengebühren zahlen muss, wird einem auch einiges geboten wie z.B. ein Professor-Studenten Ratio von 1:17, modernste Computeranlagen, etc. Der direkte Draht zu den Professoren ist ganz anders als in Deutschland. Das Studium ist zu vergleichen mit dem Gymnasium in Deutschland, d.h. es besteht Anwesenheitspflicht, die Professoren kennen die Studenten bei Namen und man bekommt fast täglich Hausaufgaben auf.

Eine weitere Stärke meines Colleges war, dass sehr viel Wert auf sogenannte "extra-curricular activities" gelegt wurde. Es gab über 50 verschiedene Organisationen auf dem Campus, in denen Studenten praktische Erfahrungen sammeln konnten. Ich war unter anderem in der studentenorganisierten Marketingagentur EmComm involviert, die Projekte für Firmen und Organisationen im Bostoner Raum durchführte, sei es nun die Erstellung von Postern und Flyern, Hilfe bei der Webpräsenz oder eine komplette Marketingkampagne. Im ersten Jahr meines Studiums haben zwei andere deutsche Studenten und ich eine Infotainment Show zu "deutschen Thematiken" produziert, die dann auf dem college-eigenen Fernsehsender ausgestrahlt wurde. Im großen und ganzen gab es für jeden Studiengang mindestens eine Organisation, die von Uni-Geldern unterstützt wurde. Nicht nur die Organisationen waren praxisorientiert, sondern auch die Kurse. Speziell in meinem Studiengang legten die Professoren Wert darauf, dass der Lernstoff in der "richtigen Welt" anwendbar war. Ich habe wohl wesentlich weniger über verschiedene historische Marketing- oder Public-Relations-Theorien als deutsche Studenten gelernt, aber dafür hatte so gut wie jeder Kurs Case Studies, die in Gruppenarbeit bearbeitet werden mussten. Dies sind einige wenige der vielen positiven Punkte meines Studiums, aber natürlich war nicht alles perfekt. Dazu gehört zum einen, dass die Studenten in den USA im Durchschnitt ca. fünf Jahre jünger waren als ich, was sich zum Teil auf den Unterricht und natürlich auch auf das Leben außerhalb der Uni bemerkbar machte.

Was ich gelernt habe ist, dass der Erfolg des Studiums in den USA sehr vom Individuum abhängt. Die häufig gestellte Frage:" Na, wie ist denn nun das Studium in den USA so?" kann ich nur schlecht beantworten, da es sehr unterschiedlich sein kann. Jemand der an einer riesigen Staatsuni im Mittlern Westen studiert, wird ganz andere Eindrücke haben als ich. Ich könnte auch keinem pauschal raten oder abraten in den USA zu studieren. In meiner Situation hat vieles zusammengepasst, so dass ich unheimlich zufrieden mit meiner Wahl war. Ich habe Glück mit der Uni, Glück mit der Stadt und auch Glück mit einem interessanten Kreis von Freunden (viele internationale Studenten) gehabt.

Wer mehr Informationen über mein Studium in den USA haben möchte, kann mir gerne unter joern.gutowski@ayusa.de schreiben.

Jörn Gutowski